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Othella Dallas 1925 - 2020
Mittwoch, 2. Dezember 2020 von Marina U. Fuchs

Abschied von einer Unsterblichen: OTHELLA DALLAS 1925 - 2020

Erstmals seit Bestehen des St. Moritzer Festival da Jazz wird es im
nächsten Sommer nicht heissen: «Bühne frei für Othella Dallas».
Die viel geliebte Jazzlegende ist am Wochenende 95-jährig verstorben.

«Sie hat mir viel Energie und Lebensfreude gegeben.»
Christian Jott Jenny
Gründer Festival da Jazz


Zu ihrem 100. Geburtstag hatte ich mit ihr schon einen grossen Ball im ‘Carlton’-Hotel geplant», erinnert sich Christian Jott Jenny, der Gründer des Festivals da Jazz in St. Moritz, wehmütig an die grandiose Entertainerin Othella Dallas. «Im Film ‘What Is Luck’ von Andres Brütsch hatte sie auf die Frage nach ihrem letzten Wunsch einmal geantwortet, dass sie bis zu ihrem 100. Geburtstag jedes Jahr beim Festival da Jazz auftreten möchte. Diesen Wunsch erfüllte ihr Jenny mit Vergnügen, auch wenn es nun nicht ganz für die 100 gereicht hat. Schliesslich war Othella Dallas schon beim allerersten Konzert des Festivals da Jazz 2006 dabei. Dieses fand damals im Weinkeller des Pontresiner Hotels «Kronenhof» statt. «Wir hatten das letzte Konzert von Hazy Osterwald, und danach trat Othella Dallas auf», erzählt Jenny. «Wir dachten eher auch an ein letztes Konzert bei ihrem Alter.» Das führte dann zur «positivsten Enttäuschung meines Lebens», wie Jenny verrät, denn aus einem Konzert wurden 16. So vital und energiegeladen wie Dallas war, kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass sie derzeit nicht schon den nächsten Sommer in St.Moritz plant.

Vielseitige Karriere
Othella Dallas wurde 1925 als Othella Strozier im amerikanischen Memphis geboren. Ihre Karriere begann sie mit fünf Jahren, mit 19 Jahren wurde sie von der Choreografin Katherine Dunham entdeckt. Dallas studierte an deren School Of Theatre And Dance in New York und wurde zunächst zur gefeierten Solotänzerin und Tanzlehrerin. 1950 begann Dallas ihre Gesangskarriere und stand bald mit Stars wie Duke Ellington, der für sie Songs schrieb, Quincy Jones, Louis Armstrong und Nat King Cole auf der Bühne. 1953 heiratete Dallas, und die Liebe verschlug «Frau Wydler», wie sie nun offiziell hiess, in die Schweiz. Neben einer Tanzschule in Zürich betrieb sie eine in Paris, sang in den dortigen Jazzclubs und trat mit Édith Piaf und Sidney Bechet auf. 1959 war sie im New Yorker Apollo Theatre im gleichen Programm mit Sammy Davies jr. und damit ganz oben angekommen. Wegen der Familie trat Dallas aber kürzer, tourte weniger und gründete 1975 eine Tanzschule in Basel, in der sie ihr Können weitergab.

Dritter Frühling
Und dann kam Jenny. «Ein Blues- und Jazz-Agent hatte mir die über 70-Jährige schon Ende der Neunzigerjahre empfohlen, und es be-
gann eine über 20-jährige Freundschaft, sie war an der Hälfte mei-
nes Lebens beteiligt, hat bei drei Hochzeiten von Festivalmitarbei-tern gesungen – meine eigene inbegriffen», erzählt Jenny. Nach seiner Einschätzung begann mit dem Festival da Jazz der dritte Frühling der genialen Sängerin, Tänzerin und Entertainerin. «Othella Dallas hatte beim Festival eine feste Community, und ihre Konzerte waren immer ausverkauft», erinnert sich der Festivalgründer. «Da tanzte sie dann schon auch einmal auf dem Tisch und bestand darauf, mit mir ‘Oh Happy Day’ zu singen.» Erstaunlich war bis zum Schluss auch Dallas’ körperliche Frische, ihre fast jugendliche Haut mit straffen Oberarmen und dem immer tiefen Dekolleté. «Man ist gefühlt mit ihr jedes Jahr jünger geworden», denkt Jenny dankbar zurück. «Sie hat mir viel Energie und Lebensfreude gegeben.

Kokett, nicht etwa gebrechlich
2019 wurde Dallas, die «Grand Old Lady des Jazz», die sich gerne immer noch als das «Little Girl from Memphis» bezeichnete, mit dem Swiss Jazz Award geehrt und liess sich bei einem Round Midnight Concert in der «Miles Davies Lounge» des «Kulm»-Hotels auch einmal von ihren Musikern auf die zu hohe Bühne heben. Kokett, nicht etwa gebrechlich – und so wird sie auch in Erinnerung bleiben: authentisch, vital und voller Können und ansteckender Lebensenergie.

Christian Jott Jenny




 
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